Geschichte der Siedlung

Sorbische Siedlung in Jankowo

Schätzungen zufolge ist die sorbische Siedlung in Jankowo zur Hallstattzeit in den Perioden C (650 – 500 v.Chr.) und D (500 – 400 v.Chr.) entstanden. Ihren größten Aufschwung soll die Siedlung Anfang des 6. Jh. v.Chr. erlebt haben. Sie existierte jedoch recht kurz. Bereits gegen Ende der Periode D soll sie stark an Bedeutung verloren haben. Genutzt wurde die Siedlung jedoch mindestens bis zum Anfang der Vorrömischen Zeit (4. Jh. v.Chr.). In der Nähe der befestigten Siedlung entstand eine offene Siedlung.

Die Siedlung an sich wurde nur von einem Teil der Gemeinschaft, bzw. der Sippe bewohnt – ähnlich wie in anderen Einrichtungen dieser Art. Die meisten Menschen siedelten sich in naher Umgebung an. Der befestigte Teil war ein wirtschaftliches und politisches Zentrum, gleichzeitig bot er jedoch Unterschlupf während des Winters und zu Kriegszeiten. Allein in Jankowo fand man auf beiden Seiten des Pakoskie Sees zahlreiche Spuren zweier offener Siedlungen; die Überreste ähnlicher Siedlungen wurden ebenfalls in den nahe gelegenen Dörfern: Broniewice, Dobieszyce und Pakość gefunden.

Die Siedlung befand sich auf einer Insel des Pakoskie Sees, die gegenwärtig leider teilweise überflutet ist. Früher hatte sie eine Fläche von ca. 2 ha. Die befestigte Einrichtung hatte die Ausmaße von 140 x 90 m (ca. 1,3 ha). Sie bestand zu etwa 1/3 aus Befestigungen: Äste, Baumteile und Steine, die teilweise die Ufer vor Unterspülung schützen sollten. Um die Inseln herum fand man die Überreste von Pfählen (Eichen, Kiefern und Eschen), die als Befestigungsanlage zum Schutz vor Angreifern gedacht waren, aber auch als Wellenbrecher dienten.

Das Haupttor befand sich im östlichen Teil der Insel und bestand hauptsächlich aus Eichenholz. Zum Haupttor führte ein Weg, der dann in einen breiten, auf zwei Pfahlreihen gebauten Schutzdamm bzw. einen Steg überging. Dieser hatte samt Zugbrücke ca. 9 m Länge und eine Breite von 2,85 bis stellenweise 3,60 m. Beim Ausbaggern des Sees in den 70er Jahren des 20.Jh. wurden außerdem nördlich der Insel einige Pfahlreihen am Seeufer gefunden. Wahrscheinlich handelt es dabei um die Überreste eines Brückenkopfs aus der Zeit als Jankowo unter dem Einfluss der Lausitzer Kultur stand.

Die Anordnung der einzelnen Häuser innerhalb der Befestigungsanlage war eine andere als in Urstätt (poln. Biskupin). In der Mitte befand sich ein recht großer gepflasterter Platz, umgeben von verschiedenen Gebäuden. Die in Reih und Glied aufgestellten Häuser bestanden aus Holzbalken, teilweise auch aus Flechtwerk. Die engen Gassen dazwischen erleichterten die Kommunikation.

In der Mitte jeden Holzhauses befand sich eine Feuerstelle – immer auf einer Tenne aus festgestampften Ton. So konnte gleichzeitig gekocht und das Haus gewärmt werden. In einigen Häusern fand man zudem Öfen in geschlossener Form. Als Abfallcontainer dienten den Einwohnern des Dorfes tiefe Gruben, die unweit der Häuser platziert waren. Innerhalb der Siedlung befanden sich außer den Wohnhäusern noch einige Werkstätten – im östlichen Teil der Insel wurden die Überreste eines großen kuppelförmigen Ofens gefunden, der wahrscheinlich zum Brennen von Tongefäßen diente. Zudem gab es eine Gießerei und eine Werkstatt, in der Hörner bearbeitet wurden. Womit sich die Einwohner der Siedlung beschäftigt haben, zeugen die zahlreichen bei Ausgrabungen gefundenen Gegenstände. An erster Stelle stand der Ackerbau. Bei Ausgrabungen wurden besonders viele Hacken und Mahlsteine gefunden. Die Einwohner bauten vor allem Getreide an: Hirse, Weizen und Gerste, zudem züchteten sie Kühe, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde. Sie waren hervorragende Jäger und Sammler und schöpften aus dem Reichtum der umliegenden Waldgebiete.

Das gefundene Werkzeug zur Bearbeitung von Tierhäuten, darunter Schrapper aus Tierknochen, Ahlen und Hornnadeln, sowie Ausstattungselemente von Webmaschinen zeugen davon, dass die Einwohner der Siedlung in vielen Handwerken geübt waren. Sie bearbeiteten Steine und Hörner. Die Kunst des Gießens von Bronzeschmuck war ihnen nicht fremd – zahlreiche Fundstücke sind der Beweis dafür.

Als die Siedlung bewohnt war, bedienten sich ihre Einwohner an den Naturschätzen der Umgebung im vollen Maße. Diese intensive Nutzung der natürlichen Ressourcen brachte zusammen mit den Klimaveränderungen aus dem Ende der Hallstattzeit und einem drastischen Anstieg der Bodenfeuchte in der Region das natürliche Gleichgewicht ins Wanken. Das führte wiederrum zum wirtschaftlichen Kollaps. Gegen Ende der Hallstattzeit und zum Anfang der vorrömischen Zeit verlor die Siedlung in Jankowo na Bedeutung – ähnlich erging es vielen sorbischen Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Großpolens. Viele Einwohner zogen in kleine offene Siedlungen, die bald zur einzigen Siedlungsform in Großpolen wurden.

Mittelalterliche Festung

Die Insel bei Jankowo wurde im Mittelalter abermals besiedelt. Dieser Prozess verlief jedoch in zwei Phasen: vom 7. Jh. bis zum 9. Jh. und von der Mitte des 10. Jh. bis zum 11. Jh. Zu dieser Zeit entstand auf der Insel eine Festung. Die Bauherren machten sich dabei die Überreste der früheren Befestigungen zunutze, u.a. den alten Deich und das Kap mit den Torresten. Ähnlich wie die Siedlung aus der Hallstattzeit, wurde auch die mittelalterliche Festung zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum. Gleichzeitig bot sie den Menschen aus der Umgebung Schutz vor Angreifern. Es wird angenommen, dass die Insel bis zur erneuten Besiedlung im Mittelalter nicht bewohnt war. Vermutlich konnte man im Mittelalter zwischen den zwei Phasen de Besiedlung wegen des niedrigen Wasserstandes im Pakoskie See trockenen Fußes auf die Insel kommen.

Gegenwärtig befinden sich die Überreste beider Siedlungen komplett unter Wasser. Der Bau eines Dammes führte zum drastischen Anstieg des Wasserpegels im Pakoskie See, wodurch ein großer Teil der Insel überflutet wurde. Auf diesem Bild (Quelle: Google Maps) kann man erkennen, wie die Insel früher ausgesehen hat:

Allein deswegen ist die Wiederherstellung dieses Baudenkmals leider unmöglich. Glücklicherweise kann dessen Struktur und Gestallt mit Hilfe von detailierten Beschreibungen, die bei Ausgrabungen in den 60er und 70er Jahren erstellt wurden, bestens nachvollzogen bzw. rekonstruiert werden.