Geschichte

Die ersten Eintragungen zum Landgut Jankowo werden auf die zweite Hälfte des 16 Jh. datiert. Zu dieser Zeit befand sich das Dorf im Besitzt eines Gutsherrn namens Andrzej Jankowski. Später ging es an die Familie Popowski über und anschließend an die Familie Pląskowski. Zum Eigentumsrechts zur Zeit des 18. Jh. ist nicht viel bekannt. Man weiß nur so viel, dass ca. zur Hälfte des 19. Jh. das Gut in deutschen Besitz überging. Im Jahre 1854 wurde Jankowo mit dem nahe gelegenen Dorf Ludwiniec von dem Deutschen Simon Albert Hepner aufgekauft. Nachdem er seine Cousine Bertha Hepner geheiratet hatte, zog Simon Albert 1863 in das neu erbaute Palais. Das im neugotischen Stil gehaltene Gebäude wurde auf den Ruinen des alten Herrenhauses errichtet.

Leider sind keine Angaben zur genauen Bauzeit des Palais überliefert. Man weiß nur, dass das Herrenhaus 1863 bereits fertig gestellt war. Die Familie des Bauherrn behauptet, das Gebäude sei von dem berühmten preußischen Architekten Friedrich August Stüler entworfen worden. Sachkundige sind jedoch der Meinung, dass es sich dabei eher um jemanden aus seinem Umfeld handelt. In direkter Nachbarschaft des Palais entstand schon einige Zeit vor seiner Erbauung eine Parkanlage im englischen Stil. Zu finden sind hier viele seltene Strauch und Baumarten.

Das Gut befand sich im Besitzt der Nachkommen von Simon Albert Hepner bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Bis dahin trug es den Status eines Majorats, das bedeutet u.a., dass es nur als ganzes vererbt und nicht aufgeteilt werden durfte. Interessanterweise wurde das Gut nach Simon Albert nur an Frauen vererbt – im Jahre 1899 wurde seine Tochter Adolphine Luise Strussberg geborene Hepner zur Erbin. Nach dem Ersten Weltkrieg ging es wiederrum an ihre Tochter Ilse über. Sie heiratete einen deutschen Baron namens Friedrich von Rheinbaben. Rheinbabens einziger Sohn hieß Ivo und kam im Zweiten Weltkrieg ums Leben. Deswegen überließen sie das Gut ihrer Tochter, Ursula. Gemeinsam mit ihrem Gatten Teodor von Geyr zog sie im Jahre 1941 nach Jankowo.

Bereits nach wenigen Jahren war die Familie gezwungen ihr neu bezogenes Gut zu verlassen, weil die Front immer näher rückte. 1946 wurde das Landgut Jankowo mit dem Dorf Ludwiniec vom neu gegründeten polnischen Staat übernommen, in kleinere Güter (bis 15 ha) aufgeteilt und an Bauern aus der Gegend verteilt. Ins Palais zogen zig Familien ein und aus dem angrenzenden Vorwerk wurde eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft.

Achtzig Jahre war das Landgut Jankowo im Besitz der Familie Hepner und wurde von ihr vorbildlich verwaltet – woran bis heute viele Einwohner des Dorfes und der Umgebung zurückdenken. Auch Ursula von Geyr, die letzte Herrin des Landgutes, bestätigt das: „Die Verhältnisse zwischen uns und den Familien der Gutsarbeiter im Dorf waren herzlich und von Vertrauen geprägt. Alle Feierlichkeiten wurden gemeinsam begangen: Hochzeiten, Namenstage, Taufen und vor allem das alljährliche Erntedankfest“. Die Dörfer Jankowo und Ludwiniec hatten zusammen über 300 Einwohner, vorwiegend katholischen Glaubens (80%). Die Gutsherren gehörten hingegen der evangelischen Kirche an.

Beide Vorwerke hatten zusammen eine Fläche von 900 ha und konzentrierten sich auf die Produktion von Kartoffelstärke. Trotz seiner beachtlichen Ausmaße war das Gut bestens organisiert und für diese Zeiten sehr modern.

Leider machte die unverständliche Politik der Volksrepublik Polen alle Errungenschaften zunichte. Jahrzehntelang wurde das Palais nicht renoviert. In einem Teil des Gebäudes wurde sogar ein Schweinestall eingerichtet. Anfang der 80er Jahre des 20. Jh. befand sich das Palais in einem fatalen Zustand, sodass alle Einwohner umgesiedelt werden mussten – sich dort aufzuhalten war geradezu lebensgefährlich.

In den nächsten Jahren hat sich an der fortschreitenden Ruinierung des Herrenhauses nichts geändert. Ein Teil des Dachs, mancherorts die Decken und die Treppe, die zum Trum führte, sind eingestürzt. Nach 1989 ging das Palais in den Besitz eines privaten Investors über. Dann wurde es einem Bauunternehmen überlassen, das die ersten Renovierungsversuche auf sich nahm. Trotz einigen offensichtlichen Fehlern bautechnischer Natur, die dabei begangen wurden, haben diese Bemühungen das Gebäude vor dem endgültigen Verfall bewahrt. Leider konnte das Projekt wegen Geldmangel nicht zu Ende geführt werden.

Ab 2010 wird das Palais von der Stiftung Jankowo verwaltet, deren Ziel ist, die historische Bausubstanz wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen und die angrenzende Parkanlage zu revitalisieren.