Architektur

Umgeben von einer Parkanlage aus dem 19. Jh., thront das Palais von Jankowo auf einer Anhöhe am Westufer des Pakoskie Sees. Auf der gegenübergesetzten Seite des Herrenhausgeländes, hinter dem Palais, befinden sich die dazugehörigen Wirtschaftgebäude. Die ganze Anlage, das Palais, der Park und der Hof, wird von einer Straße umgeben, die die Ortschaften Mogilno und Pakość miteinander verbindet. Dahinter befinden sich Anbaufelder, die früher dem Gut angehörten. Zum Palais führen zwei sich von der Hauptstraße abzweigende Wege. Der erste bildet eine direkte Verbindung zu den Wirtschaftsgebäuden, der zweite kann als offizieller Zufahrtsweg betrachtet werden und führt die Gäste entlang einer Parkallee zum Vordergebäude mit seinem markanten rechteckigen Turm.

Das Palais wurde im neugotischen Stil erbaut, der sich zu jener Zeit beim deutschen Adel großer Beliebtheit erfreute, besonders auf dem Gebiet Ostpreußens. Das mittelalterliche Flair solcher Gebäude vermittelte das Gefühl von Kontinuität, die Illusion einer langen Geschichte der jeweiligen Adelslinie. Bis heute ist unbekannt, wer das Palais in Jankowo entworfen hat. Die Familie des Bauherrn schreibt diese Leistung dem bekannten Architekten Friedrich August Stüler zu. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass Stüler nur als Berater auftrat und das Projekt von jemandem aus seinem Umfeld entworfen wurde. Der allgemeine Charakter des Gebäudes, besonders dessen an den Ecken lokalisierte Türme, sind markant für den Stil eines anderen preußischen Architekten – Georg Hitzig.

Der Bau des Palais fand etappenweise statt. Der erste Teil des Gebäudes wurde vor 1863 fertig gestellt. Man nimmt an, dass der Rest erst gegen Ende des 19. Jh. von den Bauherren bezogen werden konnte. Der neue Teil des Palais lässt sich leicht an den bedeutend höheren Fassaden erkennen. Hauptgrund für den Ausbau war aller Wahrscheinlichkeit nach die Tatsache, dass das Palais von zwei Familien bewohnt wurde: der Familie von Simon Albert Heppner sowie der Familie seiner Tochter Adolphine Luise und Paul Strussberg.

Die Fassade des Palais ist zum Westen hin gerichtet. Die Gärten erstrecken sich zum Ufer des Pakoskie Sees. Das ganze Gebäude hat einen dekorativen Charakter. Den Hauptakzent legt ein rechteckiger Turm mit spitz zulaufenden Fenstern im südlichen Teil des Palais. Die Front ist mit zusätzlichen Türmen versehen: ein runder Turm an der südlichen Ecke und ein rechteckiger an der nördlichen Ecke. Die restlichen Ecken schmücken Fialen (bzw. Pinakel). Auf den oberen Wandrändern treten markante Zinnen hervor.

Zusätzlichen Charme verleihen dem Gebäude dekorative Säulen mit Kapitellen in Form von Blättern, geschmückte Geländer und Fensterfüllungen sowie mit Portiken verzierte Risalite. Auf den letzteren wurden Kartuschen mit Sentenzen in deutscher Sprache angebracht. Diese haben vorwiegend einen moralisierenden Charakter. Ein Teil ist soweit erhalten geblieben, dass die Schrift entziffert werden konnte.

Und so lesen wir auf den Kartuschen an der Frontseite des Palais:

Das Bauens Müli, das Bauens Lust

Hat mauchen schon viel Golg geburst

Wilkommen Gott wilkommen

Abschied nicht genommen

An den Fassaden, die zum Garten hin gerichtet sind, findet man hingegen folgende Sentenzen:

Sitzt du gut so Sitze fest
Alter Sitz das ist der best

Bete und arbeite

Das Gebäude hat eine längliche, unregelmäßige Form. Die längste Mittellinie hat 54,5m, die kürzeste 20m. Die Palais hat eine Nutzfläche von nahezu 1900m2. Der repräsentative Eingang führt durch den westlichen Portikus, der eine Terrasse im ersten Stock abstützt. Ein doppelter Portikus an der hinteren Fassade des Palais führt zum Garten hinaus.

Das Herrenhaus wurde von zwei Familiengenerationen bewohnt, von denen jede einen getrennten Haushalt führen sollte. Das ist besonders gut an der Anordnung der jeweiligen Wohnräume erkennbar. Das Palais ist durch einen großen Empfangsaal zweigeteilt. Anliegend befand sich ein repräsentativer Flur – zwei Stockwerke hoch und mit einem geschmückten Oberlicht. Der zweite Eingang samt Flur befand sich etwas weiter entfernt, im südlichen Teil des Gebäudes. Die Wohnräume links und rechts vom Empfangssaal hatten exakt die selbe Funktion. Ebenfalls auf der Etage des Palais waren die Wohnräume beider Familien deutlich voneinander abgegrenzt. Jede Hälfte hatte ein separates Treppenhaus: eins im niedrigen Teil des Palais, direkt an der Hauptflur und eins am Gang, der von der Hauptflur wegführte. Das Gebäude war komplett unterkellert.

Das Erdgeschoss hatte einen repräsentativen Charakter – hier befanden sich außer dem Empfangssaal zwei Salons, ein Speisezimmer, ein Billardzimmer und diverse Büroräume. Das Stockwerk war für die Schlafzimmer, die Ankleideräume, die Kinderzimmer und die Gästezimmer (zwei mit Terrassen) reserviert. Zusätzlich fand sich hier noch Platz für Zimmer, die von Lehrkräften oder Dienstmädchen bezogen werden konnten – sogar ein Zimmer ausschließlich zum Verüben von Schneiderarbeiten. Im Kellergeschoß befanden sich hauptsächlich Nutzräume, zusätzlich gab es hier einen Essbereich, Badezimmer und Wohnräume für die Dienstkräfte. Jede Familie hatte eine separate Küche samt Vorratskammer. Nur der Waschraum wurde miteinander geteilt.

Das Palais entzückt seit jeher mit seiner alles andere als banalen Natur, seinen komplizierten Formen und dem malerischen Umfeld. Von vielen wurde dieses Herrenhaus für das prächtigste in ganz Nordpolen gehalten. Um so trauriger ist es, das ein Bauwerk dieser Klasse dermaßen vernachlässigt wurde.