Legenden rund um Jankowo

Der boshafte Herr, der zum Hund wurde

Vor langer Zeit gehörte das Gut Jankowo einem ebenso reichen wie grausamen Großgrundbesitzer, der über das Dorf mit eiserner Hand regierte. Seine Bosheit kannte keine Grenzen: an seinem Herrenhaus ließ er einen Schandpfahl errichten, an dem dauernd unschuldige Einwohner des Dorfes ausgepeitscht und anschließend ins Verlies geworfen wurden. Weil der Herr sogar mit seiner Familie kein Mitleid hatte, wurde ihm nachgesagt, dass er seine Seele dem Teufel anvertraut habe.

Als nach vielen Jahren des Grauens der Tyrann gestorben war, kehrte endlich wieder Ruhe ins Dorf ein.

Die Ruhe währte jedoch nicht lange – kurz nach seinem Tod geschahen seltsame Dinge. In der Nähe des Herrenhauses wurde öfters ein großer Hund mit blutroten, hasserfüllten Augen gesehen. Mit geiferndem Munde und einer um den Hals gewickelten rostenden Kette jagte er den Einwohnern dauernd Angst ein. Schnell kamen sie zum Schluss, dass der boshafte Herr in der Gestalt des vor Wut triefenden Untieres zurückgekommen ist. Seitdem haben die Einwohner von Jankowo das Herrenhaus gemieden – jeder der in seine Nähe kam, wurde von der Bestie angegriffen.

 

Der Diener, der bei lebendigem Leib begraben wurde

Direkt nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, starb einer der Diener, der im Palais Jankowo gearbeitet hatte. Das Begräbnis fand drei Tage nach seinem Tod statt, sowie es hier Brauch war. Die von Schmerz und Kummer erfüllte Familie bestattete den Mann auf dem Gemeindefriedhof, gleich neben einem offenen Grab, das für einen andren Einwohner des Dorfes vorbereitet wurde.

Nachts, als alle in ihre Häuser zurückkehrten, geschah auf dem Friedhof etwas seltsames. Aus dem Grab des verstorbenen Dieners kamen eigenartige Geräusche, ein Klopfen und Graben, und das so lange, bis sich im benachbarten Grab eine menschliche Gestalt zeigte.

Es war der zu Grabe getragene Diener. Man hat ihn irrtümlich für tot gehalten, dabei viel er nur in ein tiefes Koma, aus dem er nun erwachte. Sein Erstaunen war groß, als er sich in einem Sarg wiederfand. Zum Glück konnte er sich aus eigener Kraft befreien und bis zum benachbarten Grab durchkämpfen.

Nachdem er zu sich gekommen war, räumte er alles auf und ging zum nahe gelegenen Teich um sich abzuwaschen. Er erstaunte um so mehr, als er entdeckte, dass er grau ist und sein Gesicht um viele Jahre gealtert ist!

Der Totgeglaubte kam nie zu seiner Familie zurück. Stattdessen zog er in die Stadt und eröffnete ein Blumengeschäft. Seine Frau und seine Töchter haben in dem Blumenhändler nie den Ehemann oder Vater wiedererkannt, obwohl sie oft bei ihm Blumen gekauft haben. Erst nach vielen Jahren, als der Mann im Sterben lag, schickte er nach seiner Familie und offenbarte sein Geheimnis. Kurz danach ist er gestorben.

Quelle: „Pakoskich legend czar“, gesammelt und bearbeitet von Katarzyna Podczaska. Inowrocław: Forza Cuiava, 2009.