Familie Hepner

Ilza Rheinbaben


Aus den ältesten Überlieferungen geht hervor, dass die Familie der Bauherren aus der Gegend von Salzburg stammt und im 17. Jh. nach Polen kamen. Der erste schriftlich erwähnte Ahnherr des Geschlechts Simon Hepner engagierte sich in reformatorische Bewegung und musste wegen religiöser Verfolgung in die tolerante Republik Polen flüchten.

Hier ließ er sich 1690 in Thorn nieder – damals eine Stadt von großer wirtschaftlicher Bedeutung, bewohnt von einer recht zahlreichen deutschen Minderheit. Anfangs hat er eine Sattlerei betrieben und spezialisierte sich in der Produktion von Pferdesatteln. Die Familie Hepner fand sehr schnell einen Platz in der Mitte der städtischen Patrizierfamilien: die Nachkommen von Simon heirateten in die Familien alteingesessener Thorner Patrizier hinein. Ein Enkel von Simon Hepner – Jacob Abraham – wurde Bürgermeister von Thorn. Sein Porträt hängt heute im städtischen Museum.

Zu dieser Zeit war die Familie Hepner bereits eine anerkannte Kaufmannsfamilie, die sich im Getreidehandel spezialisierte. Sie unterhielten Handelsbeziehungen mit Danzig, Amsterdam, London und Petersburg. Einige Familienmitglieder bekleideten hohe

Ämter in der Stadtverwaltung. Der Urenkel von Simon Hepner – Simon Jacob Hepner – hatte fünf Söhne (und fünf Töchter), die sich besonders für die Familie verdient gemacht haben. Der älteste von ihnen, Simon Ludwig Adoplh, gründete ein Kaufmannshaus in Danzig. Er war der erste von der Hepner-Familie, der sich an der Ostseeküste ansiedelte. Bald schloss sich ihm sein Bruder an, Jacob August Hermann, der zum evangelischen Pastor der Marienkirche ernannt wurde. Friedrich Wilhelm zog währenddessen nach Amsterdam, wo er sein Leben als Kaufmann verbrachte. Carl Wilhelm machte eine Lehre zum Baumeister und der jüngste von allen, Leopold Gotlieb, konnte ein Landgut bei Danzig kaufen und versuchte sich als Gutsbesitzer. In seine Fußstapfen trat Simon Albert. Dank eines beachtlichen Erbes von seinem Vater Ludwig Adolph, konnte er 1854 die beiden Landgüter Jankowo und Ludwiniec erwerben. Erst 1863 brachte er seine Frau Bertha hierher.

Albert Hepner

Albert und Bertha hatten zwei Söhne: der erste starb im jungen Alter und der zweite zeigte kein besonderes Interesse für das Landgut seiner Eltern. Deswegen wurde es von seiner Schwester Adolphine Luise geerbt. Sie verwaltete es gemeinsam mit ihrem Ehemann Paul Strussberg. Der einzige Sohn des Paares kam während des Ersten Weltkrieges ums Leben. Und so ging das Landgut an die Tochter Ilse und ihren Ehemann Baron Friedrich von Rheibaben – der zu dieser Zeit Offizier der preußischen Armee war. Des Weiteren sollte das Gut vom Sohn des Barons und seiner Frau, namens Ivo, verwaltet werden. Leider starb er einen tragischen Tot in der Schlacht bei Amiens während des Zweiten Weltkrieges. Ivo hatte eine Schwester, Ursula, die sich nun gemeinsam mit ihrem Mann Teodor von Geyr des Guts annehmen sollte. Sie wohnten mit ihrer Tochter in Berlin. Die beiden hatten leider nicht viel Zeit, um im Gut etwas groß zu bewegen. Anfang 1945 wurden sie durch die näher rückende Front gezwungen ihr neues Zuhause zu verlassen. Bei dem Fluchtversuch starb der Ehemann von Ursula und ihre Eltern gerieten in Gefangenschaft – sie verbrachten ein Jahr im Gefangenenlager.

Fridrich von Rheinbaben, Urszula von Geyr

Ursula von Geyr interessierte sich sehr lange für das Schicksal des Palais. Noch in den 90er Jahren besuchte sie das ehemalige Familiengut Jankowo. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn viele Jahre lang war es das Zentrum des familiären Lebens der Hepners und blieb für immer in ihrer Erinnerung. Die letzte Besitzerin des Landguts äußerte sich über Jankowo folgendermaßen:

„… wir führten dort ein sehr familiäres Leben in herzlicher Atmosphäre. Das ganzen Jahr über kamen Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen zu Besuch. Das Palais war ständig voller Gäste. Kutschenfahrten, Reitausflüge in die umliegenden Wälder, Blaubeersammeln, Pilzsuche und Bootsausflüge auf dem anliegenden See gehörten zum Alltag. Täglich besuchten wir die gegenüber dem Palais gelegene Insel, einfach so, zum Baden. Im Winter konnte man auf dem zugefrorenen See Schlittschuh laufen, es mangelte nicht an Hügeln für Schlittenfahrten. Meine Mutter war eine echte Musikliebhaberin. Oft lud sie das Quartett der Berliner Oper zum Urlaubmachen zu uns nach Jankowo ein.

1984 sah ich Jankowo das letzte Mal. Ich habe geschafft, mit meiner Tochter einen Spaziergang durch den Park zu machen. Kein Baum, den ich nicht kennen würde, kein Ast, auf dem ich nicht gesessen hätte, keine Ecke, die ich nicht in Erinnerung behalten hätte. Ein paar Äste nahm ich als Andenken mit. Getrocknet stehen sie in meinem Wohnzimmer. Außerdem etwas Erde und ein kleines Stück von den Mosaikkacheln, die früher die Gartenterrasse schmückten. Nun bin ich zwar alt, doch meine Erinnerungen werden nie verblassen.“